Warum Theater subventioniert werden

Ohne Zuschüsse gäbe es keine kulturelle Vielfalt an den Bühnen

09.01.2010 Nicole Korzonnek

In Deutschland befinden sich die meisten Theater in öffentlicher Hand und werden dementsprechend auch bezuschusst. Ohne diese Subventionen müssten viele Häuser schließen.

In kaum einem anderen Land auf Welt ist die Theaterszene so vielschichtig und facettenreich wie in der Bundesrepublik. Die meisten Spielstätten befinden sich bei uns in öffentlicher Hand, was bedeutet, dass sie wirtschaftlich entweder von den Kommunen, dem Land oder dem Bund finanziert werden – je nachdem, welche Trägerschaft für die Bühne zuständig ist. Doch warum sind in Deutschland die meisten Theater eigentlich nicht privat, wie es zum Beispiel in den Vereinigten Staaten oder auch in Großbritannien der Fall ist? Und warum können sich Theater nicht selbst finanzieren?

Entwicklung des Theaters in Deutschland

Die öffentliche Trägerschaft von Bühnen geht auf das Hoftheater der Kaiserzeit zurück. Die meisten Fürsten hatten damals ein eigenes Theater, das sie zum einen für die Unterhaltung am Hof, zum anderen aber auch aus Prestigegründen unterhielten. Somit spielte der finanzielle Gewinn einer solchen Institution, wenn überhaupt, nur eine sehr untergeordnete Rolle. Nach dem Zusammenbruch der Einzelstaaten 1918 wurden die Theater dann von der öffentlichen Hand übernommen.

Kaum ein Theater wäre heutzutage in der Lage, sich selbst zu finanzieren, denn die Eigeneinnahmen decken mit zehn bis zwanzig Prozent des Gesamtetats nur einen Bruchteil der Ausgaben ab. Ohne die öffentlichen Zuschüsse müssten viele Spielbetriebe dementsprechend eingestellt werden. Aber welchen Nutzen hat der öffentliche Träger eigentlich von einer Institution, die Unmengen an Geld verschlingt? Ganz einfach: kulturelle Vielfalt.

Theater prägen das kulturelle Profil

Fast jede größere Stadt hat ein oder mehrere Theater, die nicht nur von den Bewohnern, sondern auch von vielen Menschen aus dem Umland und von Touristen besucht werden. Somit prägen die einzelnen Spielstätten das Profil einer Stadt und fördern zugleich auch noch das kulturelle Image. Je abwechslungsreicher und interessanter sich ein Theater präsentieren kann, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt es von der Bevölkerung. Durch einen abwechslungsreichen Spielplan, auf dem nicht nur Klassiker, sondern auch zeitgenössische Stücke und Uraufführungen sowie populäre Werke wie etwa Musicals zu finden sind, sollen Theater für unterschiedliche soziale Schichten interessant gemacht werden. Zugleich erfüllen die Bühnen damit aber auch ihren Kulturauftrag, der als Bedingung an die Subventionen geknüpft ist.

Ohne Subventionen kein Spielbetrieb

Wenn die Theater in Deutschland nicht mehr bezuschusst werden würden, hätte das einschneidende Konsequenzen. So müssten die Eintrittspreise erheblich erhöht werden. Statt zum Beispiel 15 Euro würde eine Karte dann 90 Euro kosten, damit der Spielbetrieb wie gewohnt aufrecht erhalten werden kann. Das hätte aber zur Folge, dass kaum jemand noch ins Theater gehen würde. Die Folge wäre dann die Schließung des Hauses. Um das zu verhindern, müssten die Bühnen nur noch publikumswirksame Stücke spielen, um die breite Masse anzuziehen. Das würde dann aber auf Kosten des künstlerischen Anspruchs gehen und für eine sehr monotone Kulturlandschaft sorgen. Eine Alternative wäre ohne Zweifel, regelmäßig Tourneeproduktionen in eine Stadt einzuladen. Doch auch hier ist der kulturelle Anspruch oft gering, da reisende Gastproduktionen wirtschaftlich rentabel und nicht künstlerisch wertvoll gestaltet werden.

Kürzung von Theaterzuschüssen

Damit die Bühnenlandschaft also vielfältig und lebendig bleibt, sind Subventionen unverzichtbar. Aber auch das hört sich in der Theorie einfacher an, als es in der Praxis dann tatsächlich ist. Immer mehr Kommunen haben mit ihrem Gesamtetat zu kämpfen. Kürzungen sind an der Tagesordnung – und finden oft im Kulturbereich statt. Die Zuschüsse werden also von Jahr zu Jahr weniger, die Betriebskosten der Spielstätten steigen aber. Deswegen kämpfen inzwischen viele Theater trotz Subventionen um ihr Überleben.

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